Die Süddeutsche Zeitung hat kürzlich mit einem Artikel polarisiert, in dem sie mit der Überschrift „Wie Veganer zur globalen Wasserknappheit beitragen“ den Eindruck erweckt hat, dass vegane Ernährung umweltschädlich ist. Dabei berief sich die SZ auf eine WWF-Studie, die sich mit dem Wasserbedarf für unsere Ernährung beschäftigt. Tatsächlich geht es hier aber nicht um Milchalternativen im Allgemeinen, sondern in einem Absatz lediglich um Mandelmilch. Mittlerweile heißt der Artikel „Mandelmilch ist nicht so ökologisch, wie viele denken“ An dieser Aussage gibt es nichts auszusetzen.
Für uns ist dieser Sturm im Milchglas jedenfalls Grund genug, Euch mal ein paar nachhaltige Milchalternativen vorzustellen.
Ökobilanz von Milch und Milchalternativen
Der immer stärker wachsende Markt an Milchalternativen treibt die Milchlobby natürlich zu diversen, lächerlich anmutenden Angriffen. So darf auf der Verpackung nicht Pflanzenmilch stehen, weil der Verbraucher angeblich damit getäuscht wird. Darauf erst mal einen Wurstsalat! Als Blogger und Verbraucher, darf ich aber sehr wohl von Pflanzenmilch sprechen, was ich in diesem Artikel auch so machen werde. Also: Liebe Milchlobby, bitte verklagt mich nicht, dann gebe ich Euch auch einen Leberkäse aus.
Das Bundesumweltamt hat in einer Studie die versteckten Kosten von Kuhmilch errechnet. 7 bis 11 Milliarden Euro Folgekosten für die Umwelt entstehen jedes Jahr. Es gibt also gute Gründe, seinen Milchkonsum drastisch zu reduzieren und sich mal Milchalternativen anzuschauen, aber sind die wirklich besser? Spoiler: Ja, sind sie:

Halten wir also fest: Selbst die ach so umweltschädliche Mandelmilch kommt mit etwa der Hälfte der Wassermenge aus, die für Kuhmilch benötigt wird. Ihr ökologischer Fußabdruck ist gerade mal ein Fünftel so groß wie der von Kuhmilch. Kuhmilch müsste laut einer Berechnung des Bundesumweltamtes das Doppelte kosten, um alle Umweltschäden zu kompensieren.
Nachhaltige Milchalternativen aus Soja, Hafer, Lupinen
Natürlich kann man seine Pflanzenmilch auch recht einfach selbst herstellen, das überlassen wir aber den Kollegen von smarticular, die auch wirklich was davon verstehen. Wir konzentrieren uns hier auf die Milchalternativen, die Du fertig kaufen kannst.
Not M*LK von Alpro
Das ist sicher der bekannteste Hersteller von Milchalternativen. In jedem halbwegs gut sortierten Supermarkt ist Alpro mittlerweile gelistet. Gerade die neueste Sorte „Not M*LK“ ist ein Meilenstein. Jeder der bisher gedacht hat „Ne – Hafermilch schmeckt mir nicht“ sollte diesem Produkt noch eine Chance geben. Sowohl vom Mundgefühl, als auch vom Geschmack ist es sehr nah an Kuhmilch, dabei ist die Zutatenliste erfrischend kurz.
Alpro ist zwar eine eigene GmbH, gehört genau wie Provamel zu Danone und man kann nicht über Alpro sprechen, ohne auf den Mutterkonzern zu zeigen. Danone ist immerhin der weltweit größte Hersteller von Milchprodukten. (Weil wir oft gefragt werden: Danone gehört übrigens nicht zu Nestlé.)
Verkürzt kann man sagen: Danone macht schon einiges richtig. Knapp die Hälfte aller Danone-Firmen sind bereits Certified B-Corporations. Auch die Verpackung der „Not M*LK“ ist recycelbar bis hin zu einem Schraubverschluss aus pflanzlichem Kunststoff. Der Hafer wird in Europa angebaut.
Das ist alles schön und der Konzern hat den richtigen Weg eingeschlagen. Dennoch müssen wir auch über die Schattenseiten sprechen. Was für Nestlé Vittel ist, ist für Danone Waters und Volvic die Auvergne. Auch Danone pumpt offensichtlich mehr Wasser ab, als die Region vertragen kann. Hinzu kommt, dass es generell nicht nachhaltig ist, Wasser in Einwegflaschen abzufüllen und es dann in die ganze Welt zu exportieren.
Besonders in den nächsten Monaten, müssen wir Danone aber im Auge behalten, der Firmenchef wurde erst im März 2021 auf Druck der Finanzinvestoren gefeuert. Es war aber Fabers Handschrift, die Danone in den letzten Jahren geprägt hat. Er hat die Rücksichtnahme auf soziale Belange und die Umwelt als Ziele in den Firmenstatuten verankert. Es bleibt also abzuwarten, ob die neue Führung hier eine Kehrtwende einleitet.
Auf FutureCheck.org erreicht Danone aber gerade mal einen FutureScore von 40 %, was verglichen mit anderen Lebensmittelkonzernen Mittelfeld ist.
Alternativen zu Alpro Not M*LK
Wer den Geschmack und die Konsistenz der Apro Not M*LK mag kann alternativ auch zu Rewe Bio „No Muhh“ greifen (ist ein Mix aus Bio-Hafer und Soja) oder zu Lidl No Milk.
Oatly
71 Millionen Liter Hafermilch verkauft Oatly jedes Jahr und gehört damit ganz klar zu den dicken Schiffen. Der Nachhaltigkeitsbericht von Oatly selbst ist erfreulich. Die Zutaten sind zum großen Teil regional aus Finnland, Schweden, Dänemark, Estland, Litauen. Aber Calcium und Vitamine werden auch aus den USA oder Asien importiert. Immerhin: Oatly nennt hier Ross und Reiter und listet die einzelnen Zulieferer detailliert auf.
In der Kritik steht das schwedische Unternehmen, seit der Übernahme durch die US-Investmentfirma Blackstone. Darin scheiden sich die Geister. Die einen glauben, dass man ein Unternehmen mit so einem Investor auf gar keinen Fall unterstützen kann. Andere sehen es pragmatischer: Ein finanzstarker Investor sorgt für Wachstum und das bringt am Ende mehr Menschen dazu auf Milchalternativen umzusteigen. Auf welcher Seite Du stehst, musst Du selbst wissen.
Blackstone war übrigens von 2011 bis 2017 auch Eigner von Jack Wolfskin bis es an den Golfausrüster Callaway verkauft wurde. Stark in die Kritik geriet Blackstone durch einen Deal zwischen Saudi-Arabien und Trump für ein Infrastrukturprojekt und Wahlversprechen des Ex-Präsidenten. Auch nach der Ermordung von Jamal Khashoggi wurde das Vorhaben weiterverfolgt.
Ein weiterer großer Kritikpunkt ist die Beteiligung an Firmen, die maßgeblich für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich sind.
Blackstone ist mittlerweile zu 99 % Sithe Global beteiligt. Diese wiederum hat eine Tochter namens Herakles Farms und dieses Tochterunternehmen hat 2009 eine Konzession erhalten 73.000 Hektar Regenwald in Kamerun zu einer Palmölplantage umzubauen (nebenbei bemerkt: einer der ältesten Regenwälder der Welt). 2013 wurde die Konzession seitens der Regierung ausgesetzt und Herakles wegen rassistischer Diskriminierung zu einer Geldstrafe von 4,6 Mio. Dollar verurteilt (Quelle: Wikipedia, englisch)
Aus diesen Gründen ist Oatly für mich ein No-Go und bleibt im Regal stehen.
Hafermilchpulver zum Selbermixen
Vor ein paar Jahren war das der heiße Scheiß. Jeder Supermarkt, jeder Drogeriemarkt hatte die Hafermilchpulver im Sortiment. Ich habe damals Rewe Bio probiert und das von Greenforce (mittlerweile aus dem Sortiment genommen). Überzeugen konnte mich keines der Produkte. Ich war wohl nicht der einzige: Viele der Produkte sind bereits vom Markt verschwunden.
Die Gründe dafür liegen aus Nachhaltigkeitssicht auf der Hand: weniger Müll und weniger CO2. Denn zum einen bestehen Milchalternativen zum großen Teil aus Wasser, das quer durch die Republik gekarrt wird und zum anderen benötigt ein Beutel für 8 Liter Hafermilch deutlich weniger Plastik als die Tetrapaks. Bei KoRo gibt es aber immer noch Hafermilchpulver*
Hintergrundwissen über die Milchproduktion
Wie läuft die Milchproduktion ab?
Auch ich dachte früher mal „Kühe geben Milch, so ist das nun mal“ Das ist natürlich Quatsch. Milch ist für Neugeborene und für niemanden sonst. Nur wenn ein Kalb zur Welt kommt, produziert die Kuh Milch bzw. die Kuh muss mindestens ein Kalb zur Welt gebracht haben. Da die Menge danach naturgemäß mit jedem Tag sinkt, wird in der Massenproduktion eine Kuh nach ca. 300 Tagen erneut befruchtet.
Direkt nach der Geburt, wird das Kalb von der Mutter getrennt und mit Ersatznahrung aufgezogen, bis es als Kalbsschnitzel in der Kühltheke landet. Dieser Kreislauf wiederholt sich 30–40 Jahre. Bei der Bio-Landwirtschaft haben es die Tiere zwar besser, aber im Kern folgt auch sie diesem Kreislauf.
Warum trinken wir eigentlich Milch?
Menschen sind die einzigen Lebewesen, die Milch von anderen Arten trinken können. Alle Säugetiere trinken Milch um zu wachsen. Und zwar nur deshalb. Eine Mutter, egal ob Mensch oder Kuh hört irgendwann auf, Milch zu produzieren. Ein ganz natürlicher Prozess. Danach ist Milch nicht mehr notwendig. Genau genommen vertragen wir sie danach gar nicht mehr. Das Enzym Lactase wird nach dem Stillen zurückgebildet. Das hat die Natur eigentlich so eingerichtet. 75 % der erwachsenen Weltbevölkerung verträgt gar keine Milch, auf der Südhalbkugel liegt der Anteil sogar bei 80–100 %.
Da wir aber nicht mehr im Mittelalter leben und auch die Eiszeit lange vorüber ist, können wir diesen Mangel anders ausgleichen. Bleibt also lediglich die ethische Komponente.
Heute, wo es so viele großartige Alternativen gibt, heißt es einfach: Probier es doch einfach mal aus.
In diesem Sinne: Die Milch macht’s.