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Was ist nachhaltiger Urlaub?

Die schönste Zeit des Jahres: Urlaub! Nichts tun, Seele baumeln lassen, andere Länder und Kulturen entdecken oder auf Abenteuertrip gehen – In jedem Fall heißt Urlaub für die meisten „Raus aus den eigenen 4 Wänden und möglichst weit weg“. Wir erklären Dir in diesem Artikel, was nachhaltiger Urlaub eigentlich ist und worauf Du achten kannst, um Deinen nächsten Urlaub ein klein wenig nachhaltiger zu planen.

Vorab sei gesagt: Es ist völlig okay, im Urlaub zu verreisen!

Natürlich hinterlässt Dein Urlaub einen ökologischen Fußabdruck. Dennoch wollen wir Dir Deinen Urlaub nicht vermiesen. Unter Berücksichtigung aller Klimaeffekte beträgt der Anteil des Luftverkehrs gerade mal 5 % des weltweiten CO₂-Ausstoßes (Quelle: bund.net). Es gibt also mächtigere Hebel, um CO₂ einzusparen, als auf den Urlaub zu verzichten. Man muss ja nicht gleich jedes Wochenende irgendwohin jetten. Den Jahresurlaub können wir uns aber ohne schlechtes Gewissen leisten. Aber es gibt es gute Gründe, seinen Urlaub nachhaltiger zu gestalten, denn Klimaschutz ist nur ein Aspekt von nachhaltigem Urlaub.

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Kurz erklärt: Was ist nachhaltiger Urlaub?

Vereinfacht ausgedrückt: Nachhaltiger Urlaub bedeutet so wenig wie möglich ökologischen und ökonomischen Schaden zu verursachen, indem Du eben einen sanften Fußabdruck hinterlässt. Nachhaltiger Urlaub definiert sich anhand von 4 Säulen:

Die Wahl des Reiseziels und die Anreise

Die Anreise macht oft den größten Teil des ökologischen Fußabdrucks einer Reise aus. Nachhaltigkeit beginnt daher schon bei der Planung:

  • Entfernung: Der naheliegendste Grund: Je kürzer die Anreise, desto weniger CO₂ wird ausgestoßen.
  • Verkehrsmittel: Die Bahn oder der Bus sind deutlich klimafreundlicher als das Flugzeug, scheiden aber bei vielen Destinationen sind sie nicht praktikabel oder das eigene Auto. Wenn ein Flug unvermeidbar ist, können CO₂-Kompensationen (z. B. über Anbieter wie Atmosfair) einen kleinen Ausgleich schaffen.
  • Mobilität vor Ort: Ein nachhaltiges Ziel zeichnet sich durch ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz, Leihfahrräder oder Wanderwege aus, sodass man auf einen Mietwagen verzichten kann.

Unterkunft und Verpflegung

Wo man schläft und was man isst, hat direkten Einfluss auf die lokale Wirtschaft und die Umwelt:

  • Zertifizierungen: Es gibt zahlreiche Siegel für nachhaltigen Tourismus. Tourcert hat die strengsten Kriterien, aber auch Green Globe oder Earth Check sind vertrauenswürdige Siegel. Wir gehen weiter unten noch genauer auf die verschiedenen Zertifikate ein.
  • Regionale Kulinarik: Saisonale und regionale Lebensmittel sind zu Hause, wie auch im Urlaub nachhaltig! Das stärkt die Region wirtschaftlich. Nicht unwichtig ist auch: Wie geht das Hotel mit dem übrig gebliebenen Essen um? Schließlich lassen sich Reste vom Buffet nicht vermeiden.
  • Lokale Inhaberschaft: Jetzt sind Hotelketten nicht per se „böse“, aber bei familiengeführten Pensionen kann man sicher sein, dass das Geld in der Region bleibt.

Respektvoller Umgang mit Natur und Kultur

Nachhaltigkeit bedeutet auch soziale und ökologische Verantwortung vor Ort:

  • Der Bau: Es gibt Hotels, die wurden mitten in einem Naturschutzgebiet errichtet. Das ist natürlich nicht nachhaltig. Wichtig ist: Wurde das Hotel in Einklang mit der Natur gebaut
  • Schutz der Ökosysteme: Das Einhalten von markierten Wegen und der Verzicht auf Aktivitäten, die Wildtiere stören (z. B. bestimmte Tiershows), sind essenziell.
  • Kulturelle Wertschätzung: Respekt gegenüber lokalen Traditionen, angemessene Kleidung und das Erlernen einiger Wörter in der Landessprache fördern ein positives Miteinander.
  • Ressourcenschonung: Auch im Hotel sollte man mit Wasser und Energie so sparsam umgehen wie zu Hause (z. B. Handtücher mehrfach verwenden, Klimaanlage ausschalten). Und natürlich auch so viel Müll, wie möglich zu vermeiden. Wichtig ist auch: Wie geht das Hotel mit übrig gebliebenem Essen um? Das lässt sich beim reichhaltigen Buffet nämlich nicht vermeiden.

Sozialverträglichkeit und Wirtschaft

Ein oft unterschätzter Punkt ist die faire Behandlung der Menschen vor Ort:

  • Ein Restaurantbesuch am Urlaubsort unterstützt direkt die lokale Wirtschaft. Vollpension ist zwar praktisch, unterstützt die Region aber nicht
  • Faire Arbeitsbedingungen: Bei Hotels ist das noch recht einfach, die Arbeitsbedingungen zu überprüfen (offizielle Webseite, Siegel …) Aber auch bei lokalen Touranbietern oder Einrichtungen sollte man darauf achten, auch wenn das etwas schwieriger ist.
  • Einkaufen vor Ort: Souvenirs bei lokalen Kunsthandwerkern kaufen, statt Massenware aus dem Import.

Einige dieser Punkte, kannst Du direkt selbst in die Hand nehmen, andere liegt in der Verantwortung des Reiseveranstalters und des Hotels. Deshalb beginnt Dein nachhaltiger Urlaub bereits bei der Planung.

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Die bekanntesten Siegel für nachhaltigen Urlaub

Neben einigen regionalen Labels und den Eigenlabels der Reiseveranstalter (z.B.: TUI Umwelt Champions) gibt es einige globale Siegel und Labels, die sich offensichtlich am Markt durchsetzen. Wir konzentrieren uns hier auf die wichtigsten bzw. bekanntesten Labels, damit Dein nachhaltiger Urlaub leichter zu planen ist.

TourCert

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Dahinter steckt die gemeinnützige Organisation TourCert. Die Kriterien sind hier sehr streng und berücksichtigen die Aspekte Menschenrechte, Kinderschutz, Umwelt- und Klimaschutz und lokale Wirtschaft. Deshalb erhält das Siegel bei Label-Online auch die höchste Bewertung „besonders empfehlenswert“ Man könnte auch sagen: Tourcert ist die Referenz für nachhaltigen Urlaub. Mit 400 zertifizierten Betrieben hat es außerdem eine gewisse Relevanz.

tourcert.org

EarthCheck

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Eines der bedeutendsten Zertifikate für nachhaltigen Urlaub. Nebenbei bemerkt auch eines der ältesten – Bereits 1987 in Australien gegründet, ist es laut eigenen Angaben das größte Netzwerk aus nachhaltig zertifizierten Hotels und Resorts. Die Zertifizierung durchläuft mehrere Schritte. Aber nicht nur das Zertifikat spielt hier eine Rolle – Earth Check berät auch Gemeinden und Regionen bei der Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie und das in 70 Ländern.  2017 haben Tourcert und Earth Check eine intensive Zusammenarbeit vereinbart.

earthcheck.org

Green Globe

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Mit 600 Zertifizierungen (80 davon in Deutschland) ist das Green Globe Label eines der großen am Markt und gilt laut Label Online als besonders empfehlenswert. Das bedeutet: ökologische, soziale und ökonomische Aspekte stehen hier im Fokus. Die Controlunion verfolgt also einen ganzheitlichen Ansatz rund um Tourismusangebote.

greenglobe.com

Travelife

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Das Label wurde 2007 gemeinsam vom britischen und niederländischen Tourismusverband gegründet.  200 Kriterien liegen für eine Zertifizierung zugrunde. Darunter etwa OECD-Standards und Umweltstandards nach dem Umwelt-Audit-GesetzLabel-Online.de bewertet das Label als empfehlenswert. Mit 900 zertifizierten Betrieben ist Travelife aktuell das größte Label am Markt. 

travelife.info

Certified Green Hotel

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Das Logo begegnet einem recht häufig in deutschen Hotels, gibt es neben der GREEN Zertifizierung auch andere Kategorien, wie etwa Event, Conference oder Business. Dahinter steht unter anderem der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR). 80 Kriterien müssen die Hotels für das Label erfüllen – primär umweltrelevante Punkte, wie auch beim DEHOGA Umweltcheck. Laut Label Online ein empfehlenswertes Label. Das Ergebnis wird im Zertifikat nach einem Punktesystem veröffentlicht (gut, sehr gut, exzellent)

certified.de

GreenSign

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Das Zertifikat ist aus der Buchungsplattform GreenLine Hotels erwachsen. Während GreenLine bereits seit 20 Jahren Hotels im Grünen vermittelt, erblickte das Nachhaltigkeitszertifikat GreenSign erst 2014 das Licht der Welt. Die Hotel-Labels werden in 5 Leveln vergeben. Während Level 1 bedeutet, dass die ersten Schritte unternommen wurden, steht Level 5 für eine bestmögliche Ausrichtung. Dafür werden 100 Kriterien aus 8 Bereichen betrachtet.  Neben dem Zertifikat für Hotels gibt es auch eines für SPA, Office und Health.

greensign.de

EU Ecolabel

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Das europäische Umweltzeichen gibt es auch für Campingplätze und Herbergen, teilweise auch Hotels. Es wird von der EU-Kommission herausgegeben und berücksichtigt die Umweltauswirkungen der jeweiligen Produkte. Kontrolliert werden Campingplätze von Ecocamping. e.V: / Label-Online stuft das EU Eco Label als besonders empfehlenswert ein.

eco-label.eu

DEHOGA Umweltcheck

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Das Zertifikat des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes gibt es in 3 Stufen: Bronze, Silber und Gold. Die Vergabe ist transparent und bietet den Betrieben eine gute Richtlinie für Umweltschutzvorgaben, wie Energie- und Wasserverbrauch, Abfallaufkommen und Recycling, sowie regionale, fair gehandelte Bio-Lebensmittel. An sich ein gutes Label, ernüchternd ist die Tatsache, dass von 65.000 Mitgliedern im DEHOGA, gerade mal 80 am Umweltcheck Programm teilnehmen. 

dehoga-umweltcheck.de

Die Flugreise und ihre Ökobilanz

Wer etwas weiter weg in den Urlaub möchte, ist auf das Flugzeug angewiesen. Der Flug macht den Löwenanteil an der Klimabilanz aus. Die Branche bemüht sich zwar nachhaltiger zu werden, das liegt aber in weiter Ferne. TUIfly hat kürzlich einen Test durchgeführt, wie man durch geänderte Flugrouten die Bildung von Kondensstreifen reduzieren und so das Klima schonen kann. Das zeigt, dass Fluggesellschaften auf vielen Ebenen über Nachhaltigkeit nachdenken. Dennoch ist ein Flug heutzutage nicht gerade klimafreundlich.

FlugtypBeispielstreckeCO₂ pro Person
Kurzstreckez. B. Deutschland – Spanien200–400 kg CO₂
Mittelstreckez. B. Europa – Kanaren500–800 kg CO₂
Langstreckez. B. Europa – Thailand1,5–3 t CO₂

Flugreisen haben ein miserables Image. Wenn man das große Ganze betrachtet, teilweise zu Unrecht, denn der Anteil von Flugreisen am weltweiten CO₂-Ausstoß beträgt knapp 3 %. Das rechtfertigt zwar immer noch keine zügellose Vielfliegerei, aber einmal im Jahr in den Urlaub fliegen macht den Kohl nicht fett. Kurzstrecken sollte man aber dennoch vermeiden. Für einen Städtetrip innerhalb Deutschlands braucht wirklich niemand ein Flugzeug. Mehr dazu findest Du auf klimaschutz-portal.aero

Fluggesellschaften versuchen, nachhaltiger zu werden durch:

  1. nachhaltige Treibstoffe (SAF)
  2. sparsamere Flugzeuge
  3. effizientere Flugrouten und Technik
  4. Klimaziele und CO₂-Programme

Wenn Flugreise, dann in jedem Fall den CO₂-Ausstoß kompensieren. Einige Airlines bieten bei der Buchung bereits Zusatzdienste an, bei denen man einen Betrag zusätzlich bezahlt, um damit Klimaschutzprojekte zu fördern.
Atmosfair und myclimate sind die bekanntesten Anbieter für CO2-Neutralität, hier kannst Du auch nachträglich Deine Reise kompensieren. Dennoch ist es natürlich nachhaltig, seine Reise komplett ohne Flug zu planen. Aber: Das Kompensieren von CO₂ befreit Dich nicht davon, bewusst zu reisen!

Wie nachhaltig sind Kreuzfahrten?

Eine Kreuzfahrt ist nicht nachhaltig. Egal mit welchem Antrieb. Aber Kreuzfahrten machen nur 1 % der globalen CO₂-Emissionen aus (Quelle: e-hoi.de). Heißt: Es gibt zwar größere Hebel, aber dennoch sollte man seinen individuellen Fußabdruck hinterfragen und sich gegen eine Kreuzfahrt entscheiden. Kreuzfahrten in fragile Ökosysteme, wie etwa die Arktis, sollten allerdings absolut tabu sein! Hier hat Tourismus nichts verloren!

KriteriumKreuzfahrt (pro Passagier)Vergleich zu anderen VerkehrsmittelnAuswirkungen auf Umwelt und Wirtschaft
CO₂-Emissionen200–400 kg pro Tag (je nach Schiff und Route)36-mal höher als Bahn, 3-mal höher als FlugreiseSchwerölverbrennung, hohe Treibhausgasemissionen pro Personenkilometer
Feinstaub, Schwefel-, StickoxideSehr hoch (Schweröl)Deutlich höher als bei Pkw oder BahnGesundheitsschädlich, belastet marine Ökosysteme und Luftqualität in Häfen
Abfall pro Tag/Passagier2,5 kg Speisereste, 1,8 kg VerpackungsmüllVergleichbar mit einer KleinstadtPlastik, Pappe, Glas, Dosen – oft unzureichend recycelt
EnergieverbrauchExtrem hoch (Schwimmende Kleinstadt)Höher als bei Hotels oder anderen UnterkünftenHoher Strom- und Treibstoffbedarf, oft aus fossilen Quellen
NachhaltigkeitsmaßnahmenLNG-Antriebe, Landstrom, Abgasfilter (bei einigen Reedereien)Fortschritte, aber noch nicht flächendeckendReduzierung von Schwefeloxiden, aber weiterhin hohe CO₂-Emissionen

Ist LNG nachhaltiger als Schweröl?

Kurze Antwort: Nein! Es gibt zwar Effekte, die sich kurzzeitig und vor allem lokal positiv auswirken, aber gerade der sogenannte Methanschlupf (das Entweichen von Methan in die Atmosphäre) ist ein großes Risiko. LNG ist nach Meinung von Greenpeace nach noch nicht mal als Übergangslösung sinnvoll.

Vorteile von LNG gegenüber Schweröl

  • CO₂-Emissionen: LNG stößt etwa 20–25 % weniger CO₂ pro Energieeinheit aus als Schweröl
  • Schwefeloxide (SOx): LNG verbrennt fast schwefelfrei, während Schweröl extrem hohe SOx-Emissionen verursacht.
  • Feinstaub und Stickoxide (NOx): LNG reduziert Feinstaub um bis zu 90 % und NOx-Emissionen um etwa 80–90 %

Kritikpunkte an LNG

  • Methanschlupf: LNG besteht hauptsächlich aus Methan, das bei Leckagen oder unvollständiger Verbrennung entweicht. Methan ist als Treibhausgas 25- bis 80-mal klimawirksamer als CO₂ (über 20 Jahre betrachtet). Dadurch kann der Klimavorteil von LNG teilweise oder sogar vollständig zunichtegemacht werden
  • Keine langfristige Lösung: LNG wird oft als Übergangstechnologie gesehen, da es weiterhin fossile Brennstoffe nutzt und nicht klimaneutral ist.

LNG ist lokal (Luftqualität in Häfen) und bei bestimmten Emissionen deutlich nachhaltiger als Schweröl, aber aufgrund des Methanschlupf und der weiterhin hohen CO₂-Emissionen keine echte Klimalösung. Langfristig werden Bio-LNG, E-LNG oder andere alternative Antriebe (z. B. Wasserstoff, Brennstoffzellen) angestrebt. Quelle: cruisetricks.de

Aber von den weltweit 443 Kreuzfahrtschiffen (Stand 2024) werden gerade mal 20 LNG-Antrieb und weitere 24 sind gerade in Planung. Quelle anboard.de

Wie sind die Arbeitsbedingungen an Bord?

Kreuzfahrtschiffe sind streng genommen Hoheitsgebiet des jeweiligen Flaggenstaates. Das hat neben steuerlichen Vorteilen auch lockere Arbeitsbedingungen und geringere Umweltauflagen. Allerdings spielen auch die Rahmenbedingungen der Maritime Labour Convention (MLC) eine Rolle.

AIDA zum Beispiel fährt unter italienischer Flagge. Das ist grundsätzlich ein gutes Zeichen, weil damit die Regeln der EU gelten. Subunternehmerverträge kann es natürlich trotzdem geben.
Es gibt Flaggenstaaten, die besonders lockere Bedingungen haben. Konkret sind das: Panama, Liberia, Bahamas, Marshallinseln. Diese werden auch als Flags of Convenience bezeichnet.
Kreuzfahrtunternehmen, die unter diesen Flaggen fahren, sind unter anderem:

  • MSC Cruises
  • Norwegian Cruise Line
  • Cunard
  • Disney Cruise Line
  • Virgin Voyages
  • Royal Caribbean
  • Celebrity Cruises
  • Princess Cruises
  • Holland America Line
  • Carnival Cruise Line (Der Mutterkonzern von AIDA)

Hier solltest Du also genauer hinschauen, wenn Du bei diesen Unternehmen eine Kreuzfahrt buchen möchtest.

Profitiert die lokale Wirtschaft von Kreuzfahrten?

Ich bin ja ehrlich, auch ich war überzeugt, dass die Destinationen bei Kreuzfahrten keinen Euro der Kreuzfahrt-Gäste sehen, weil sie auf dem Schiff ja Vollverpflegung haben. Einem Faktencheck hält dieses Vorurteil nicht stand:

Kreuzfahrtpassagiere geben am Land meist 50–110 € pro Hafen aus.

Am Beispiel Barcelona zeigt sich das in den absoluten Zahlen wieder, wie eine Studie aus 2024 zeigt.

2,8 Millionen Kreuzfahrtpassagiere pro Jahr = wirtschaftlicher Effekt etwa 1,2 Mrd. € insgesamt

Jetzt muss man natürlich berücksichtigen, dass solche Studien immer bestimmte Interessen vertreten. Aber es lässt sich klar sagen, dass Kreuzfahrtpassagiere definitiv Geld in den jeweiligen Häfen ausgeben

Die lokale Wirtschaft

Bleiben wir doch gleich mal bei der lokalen Wirtschaft und schauen uns an, wie viel denn Hotelgäste in der jeweiligen Region ausgeben

KategorieKreuzfahrtpassagierHotelurlauber / Landtourist
Aufenthaltsdauer im Ortmeist 4–8 Stundenmehrere Tage
Lokale Ausgaben pro Besuchca. 50–110 € pro Hafen100–300 € pro Tag
Unterkunftauf dem Schiff (nicht lokal)Hotel / Ferienwohnung vor Ort
Essenüberwiegend auf dem SchiffRestaurants & Cafés lokal
Anteil der Tourismusausgaben vor Ortrelativ kleinGroßer Teil bleibt lokal
Verteilung der AusgabenSouvenirs, kurze Touren, SnacksUnterkunft, Restaurants, Aktivitäten, Shopping

Dabei kommt es natürlich darauf an, ob Vollpension, Halbpension oder eine Ferienwohnung gebucht ist.

In Hotels landen 30 % der Lebensmittel im Müll

All-inclusive-Buffets, die rund um die Uhr gefüllt sind. Klingt wie im Schlaraffenland. Das ist aber ein riesiges Problem.

10–18 % der eingekauften Lebensmittel werden in Hotels weggeworfen (Quelle: foodsight.com)
Bei Hotelbuffets (Frühstück, All-inclusive usw.) ist der Anteil deutlich höher: 25–35 % der angebotenen Speisen landen im Müll.

Wo der Abfall entsteht

  • 50 % Tellerreste der Gäste
  • 25–35 % nicht serviertes Buffetessen
  • 15–20 % Küchenreste / Vorbereitung

Quelle: winssolution.org

Das spiegelt ja auch die persönliche Erfahrung wider. Jeder kennt die Hotelgäste, die so viel Essen auf ihren Teller laden, dass man kleinere Inselstaaten wochenlang davon ernähren könnte. Nach dem Motto „Ich habe ja dafür bezahlt“. Wer solche Berge verdrücken kann, soll das tun, aber wie Studien eben zeigen, bleibt vieles davon auf dem Teller. Und an der Stelle kann man das Essen noch nicht mal spenden.

Das bedeutet: Der größte Hebel liegt beim Gast. Verzichten wir auf den Anspruch, 10 Minuten vor Ende der Frühstückszeit noch die volle Auswahl zu haben, entschärft sich das und hören wir auf unsere Teller vollzuladen, tragen wir alle einen wichtigen Schritt zu mehr Nachhaltigkeit am Hotelbuffet bei. Denn die Küchenreste werden allein aus wirtschaftlichen Gründen so gering wie möglich gehalten.

CO2-Kompensation – Echt nachhaltig oder Quatsch?

Bei der Buchung Deines Urlaubs ist vielleicht schon die Option aufgefallen, dass deine CO₂-Emissionen kompensiert werden. Gegen einen Zusatzbeitrag wird dann in Aufforstung, Waldschutz oder andere Nachhaltigkeitsprojekte investiert. Wir sehen diese Art der Kompensation kritisch:

  • Unsichere tatsächliche Einsparungen
    Untersuchungen zeigen, dass es hierbei oft gar nicht um zusätzliche Einsparung geht.
  • Risiko
    Es kann nicht gewährleistet werden, dass der heute gepflanzte Baum, nicht morgen durch Waldbrände, Abholzung oder Krankheiten schon wieder Geschichte ist. Dann wird das CO₂ direkt wieder freigesetzt
  • Greenwashing
    Manche Unternehmen führen diese Option ein, um sich selbst ein „grünes Image“ zu verpassen. Tatsächlich wälzen sie die Verantwortung auf ihre Kunden ab.
  • Zeit
    Der Flug setzt sofort CO₂ frei. Der neu gepflanzte Baum wirkt erst in Jahrzehnten

Trotzdem kann eine Kompensation einen positiven Effekt haben

  • Projekte sind unabhängig geprüft
  • Emissionsreduktion ist messbar und dauerhaft und wird dokumentiert
  • Zusätzlichkeit

Wir empfehlen in diesem Fall: Nicht über die Reiseanbieter per „1-Klick“ kompensieren, sondern ein Projekt suchen und unabhängig von der Buchung kompensieren.

Fazit: Nachhaltiger Urlaub

Egal, welchen Urlaub wir planen, hinterlassen wir immer einen ökologischen Fußabdruck.

UrlaubsartBeispielreiseCO₂-Emissionen
FernflugurlaubEuropa – Thailand (Hin- & Rückflug)1,5–3 t CO₂
Kreuzfahrt7 Tage Mittelmeer1–2 t CO₂
KurzstreckenflugurlaubDeutschland – Spanien300–600 kg CO₂
Autoreise1.000 km Fahrt (2 Personen im Auto)200–350 kg CO₂
Bahnreise1.000 km europäische Bahn30–80 kg CO₂
Unterkunft (Hotel)1 Woche Hotelaufenthalt70–200 kg CO₂

Aber: Der Urlaub macht nur einen kleinen Anteil an der Klimakrise aus. Deshalb ziehen wir, wie schon zu Beginn dieses Artikels angesprochen, das Fazit: Wir müssen nicht auf unseren Urlaub verzichten und können trotzdem nachhaltig leben. Trotzdem ist es ratsam, gewisse Grundregeln zu beachten, um einen möglichst kleinen Fußabdruck zu hinterlassen. Das beginnt bei der Anreise, geht über die Art des Hotels bis hin zum ganz persönlichen Verhalten vor Ort.

Oliver Schrage

Oliver Schrage

Marketingexperte, hoffnungsloser Optimist, Nachhaltigkeitsenthusiast, Bikenerd, Outdoorverrückter. > mehr über mich.