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Wie nachhaltig ist ein Balkonkraftwerk?

Seitdem die Mehrwertsteuer auf Solaranlagen Anfang 2023 entfallen ist, hört man immer häufiger „Ich installiere mir jetzt ein Balkonkraftwerk“. Und jetzt, wo immer mehr Städte und Kommunen zusätzliche Förderprogramme aufgelegt haben, erlebt die Branche einen regelrechten Boom. Auch Du interessierst Dich für ein Balkonkraftwerk? Wir geben Dir einen Marktüberblick, erklären, wie das überhaupt funktioniert und ob sich ein Balkonkraftwerk lohnt.

☀️ Ein Balkonkraftwerk ist Klimaschutz und Spardose zugleich

Die Energieversorgung ist ein wichtiges Thema, wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen – Dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen! Nachhaltigen Ökostrom zu beziehen ist das eine, aber da geht doch noch mehr: Heute wollen wir uns mit Balkonkraftwerken etwas genauer beschäftigen. Das ist nicht nur gut fürs Klima, sondern schont auch Deinen Geldbeutel.

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Kleines Kraftwerk

Unser Strommix besteht noch immer zu einem Viertel aus Kohlestrom, dabei ist es erst mal egal bei welchem Anbieter Du bist. Bei einem Balkonkraftwerk weißt Du definitiv, was drin ist: 100 % Sonnenenergie. Wir können also schon mal sagen: Jede Kilowattstunde, die sich nicht am Strommix bedient, ist eine gute Kilowattstunde. Ein Balkonkraftwerk produziert im Schnitt 400 kWh Strom pro Jahr (laut Herstellerangaben). Das reicht nicht, um einen Haushalt vollständig mit grüner Energie zu versorgen. Aber rechnen wir mal anders:

Ein modernes Windrad erzeugt pro Jahr ca. 10 Mio. kWh (Quelle NDR).  Das bedeutet, dass 25.000 Balkonkraftwerke ein Windrad ersetzen. Mit einem riesigen Vorteil:

Für ein Balkonkraftwerk muss kein Millimeter Natur weichen! Dein Balkon oder Dein Garten sind schließlich schon da. Denn was für nachhaltige Ökostromanbieter normal ist (also keine Natur zu opfern) spielt für die großen Energieversorger leider keine große Rolle – Sie zerstören gerne mal Ökosysteme für ein paar Windräder.

Wichtig für Mieter: Bitte sprich im Vorfeld mit Deinem Vermieter!

Infografik: Vor und Nachteile von Balkonkraftwerken

Wie funktioniert ein Balkonkraftwerk?

Die Solarmodule erzeugen die Energie, das ist zunächst Gleichstrom – damit kann der Haushalt allerdings nichts anfangen, deshalb wird der Strom durch einen Wechseltrichter geleitet und der macht daraus dann Wechselstrom. Über einen ganz normalen Stecker, stöpselst Du das Ganze an eine Steckdose. Der Strom fließt dann also in Deinen Stromkreislauf. Wann immer Du jetzt ein Gerät einschaltest, wird zuerst dieser Strom verbraucht, weil der eben nun mal schon da ist und nicht von irgendwoher gezogen werden muss.

Sehr schön wird das auf dem YouTube-Kanal Money for Future erklärt.

Für wen lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

Anders als eine vollwertige PV Anlage ist ein Balkonkraftwerk vergleichsweise erschwinglich (zwischen 500 und 2000 Euro). Außerdem ist die Montage in der Regel sehr einfach und man kann die Mini PV Anlage nahezu überall anbringen. Damit lohnt sich ein Balkonkraftwerk für jeden, der seine Stromrechnung entlasten und unabhängiger werden will. Auf Quarks.de findest Du auch noch einen spannenden Artikel dazu.

Mit einem Balkonkraftwerk bis zu 200 € pro Jahr sparen.

Balkonkraftwerke sind natürlich erst mal eine Investition. Aber auf lange Sicht sparst Du natürlich Geld. Mit einer kleineren Anlage (300 Watt) zwischen 50 und 100 € eine größere (600 Watt) kann dann schon 200 € pro Jahr. Du siehst also schon: Vollständig kann Dich ein Balkonkraftwerk also nicht mit Strom versorgen. Es ist vielmehr eine Unterstützung. Einen tollen Ratgeber findest Du auch auf finanztip.de

Natürlich hängt die konkrete Ersparnis von einigen Faktoren ab. Die Größe Deines Haushaltes zum Beispiel. Dann natürlich die Lage Deines Balkons (Südseite oder Nordseite / erster oder oberster Stock …) Auch der Winkel, wie die PV Anlage angebracht werden kann, spielt eine Rolle. Und zu guter Letzt auch die Sonnenstunden in Deiner Region. Es ist nun mal so, dass Freiburg sonniger ist als Hamburg. Du siehst: Pauschal kann man gar keine konkrete Aussage treffen.

Auf der Webseite von Anker gibt es einen guten Stromspar-Rechner*, bei dem du all diese Faktoren berücksichtigen kannst.

Werden Balkonkraftwerke gefördert?

Ja! Zum einen entfällt seit Januar 2023 die Mehrwertsteuer für alle Solaranlagen. Ein weiteres bundesweites Förderprogramm gibt es nicht, aber die meisten Bundesländer, Städte und Kommunen haben ihre eigenen Förderprogramme. So bezuschusst Berlin ein Balkonkraftwerk mit bis zu 500 €. In Bayern, NRW, Baden-Württemberg gelten in jeder Stadt / Kommune eigene Förderprogramme. . Eine vollständige Liste mit allen Förderprogrammen findest Du bei efahrer.chip.de. Dort sind auch gleich die entsprechenden Stellen verlinkt, wo du den Zuschuss beantragen kannst.

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Wie nachhaltig und umweltfreundlich ist ein Balkonkraftwerk eigentlich?

Ich muss zugeben, auf mich wirkt es immer seltsam, wenn man jeden einzelnen Krümel grüner Technologie auf eine Goldwaage legt und dabei scheinbar gar nicht berücksichtigt, dass herkömmliche Technik auch nicht aus Vollkornbrot und Regenwasser besteht. Aber ok, natürlich verbraucht die Herstellung von Photovoltaikanlagen Ressourcen, dabei werden auch hier CO2 ausgestoßen. Aber…

  1. Eine Photovoltaikanlage hat sich nach einem Jahr energetisch amortisiert. (Quelle: Tagesschau.de) Also nach einem Jahr hat sie so viel Energie emissionsfrei generiert, wie sie bei der Herstellung gekostet hat.
  2. Eine Kilowattstunde Solarstrom verursacht einen Treibhauseffekt, der rund 40 Gramm Kohlendioxid entspricht. Zum Vergleich: Braunkohle liegt hier bei 1000 Gramm, allerdings ist hier der Bau und Abriss des Kraftwerks nicht enthalten.
  3. Es stecken keine knappen Rohstoffe in Photovoltaikanlagen

Auf der Schattenseite steht das Blei, das in den Solarmodulen aktuell verbaut wird. Es ist zwar bereits möglich Solarmodule ohne Blei herzustellen, die sind aber noch relativ teuer und deshalb noch nicht sehr stark im Markt vertreten. Auch die Importe aus China sind nicht so cremig – zwar machen sie gerade mal 3% der Gesamt-Emissionen aus. Das größere Problem ist hier, der Strommix, der für die Herstellung gebraucht wird (China ist aktuell noch Kohle-Land)

Entsorgung und Recycling von PV Anlagen

Das ist zwar noch ein Zukunftsthema, schließlich halten die Anlagen mindestens 25–30 Jahre, aber die Tendenz steigt bereits. Klar! Heißt: Wir müssen uns heute schon damit auseinandersetzen, schließlich entscheidet die Produktentwicklung bereits, wie viel am Ende recycelt werden kann.

Das verwendete Aluminium wird aktuell bereits vollständig recycelt, auch das Glas wird oft zu Glaswolle. Die Deutsche Umwelthilfe hat gemeinsam mit der Entsorgungsbranche ein Weißbuch entwickelt, um das Thema Kreislaufwirtschaft bereits in der Produktentwicklung zu berücksichtigen und eine Rücknahme und Sammelsystem zu installieren.

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