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Papier vs. Plastikverpackung – Was ist nachhaltiger?

Plastikverpackung = Pfui, Papierverpackung = Top. Das ist oft der Reflex auf die Frage, welche Verpackung nachhaltiger ist. Das Image von Papier ist besser als von Plastik, aber ist das wirklich nachhaltiger oder ersetzen wir einfach nur ein Einwegprodukt durch ein anderes. Oft liest man davon, wie stolz Unternehmen darauf sind, wenn sie Plastik durch Papierverpackungen ersetzen. In diesem Deep Dive schauen wir uns an, ob das Greenwashing ist und welches Verpackungsmaterial wirklich nachhaltiger ist.

Die Ausgangslage: Was ist Verpackungsmaterial?

Allein in Deutschland fallen jährlich 19,7 Mio. Tonnen Verpackungsmaterial an (Quelle: Umweltbundesamt). Das sind ungefähr 2.000 Eifeltürme oder 780.000 LKW-Ladungen.
Vieles davon lässt sich vermeiden und viele Firmen überlegen, wie man Waren nachhaltiger verpacken kann.

Infografik: Wieviel Verpackungsmüll produzieren wir in Deutschland pro Jahr

Versandhandel, Convenience-Produkte und Außer-Haus-Konsum brauchen Verpackungen. Außerdem nehmen Holzverpackungen in Form von Paletten stark zu. Das heißt auch, dass wir nicht nur Papier und Plastikverpackungen haben, auch wenn diese Arten den Löwenanteil ausmachen. Konkret sieht die Verteilung so aus:

VerpackungsmaterialMengeAnteil
Papier/Pappe/Karton8,44 Mio Tonnen43%
Holz3,56 Mio Tonnen18%
Kunststoff3,33 Mio Tonnen17%
Glas3,09 Mio Tonnen16%
Stahl/Weißblech0,86 Mio Tonnen<5%
Aluminium0,14 Mio Tonnen<1%
Rest0,28 Mio Tonnen<1%

Papier hat eine deutlich bessere Recyclingquote

Papierverpackungen werden deutlich häufiger recycelt als Plastikverpackungen – der Abstand liegt bei satten 34 Prozentpunkten. (Quelle: BMUKN – Aufkommen und Recyclingquoten von Verpackungen)

  • Papier/Pappe/Karton-Verpackungen: 86,6 %
  • Kunststoffverpackungen: 52,2 %

Die gesetzlichen Mindestquoten liegen laut Umweltbundesamt bei 75 % für Papier/Pappe/Karton und 50 % für Kunststoffe.

Warum das so ist, liegt an der Beschaffenheit der verschiedenen Verpackungsmaterialien und dem damit verbundenen Aufwand für das Recycling.

  • Papier kann man sehr einfach mit Wasser auflösen und neu sortieren. Das bedeutet: Papierverpackungen werden viel seltener verbrannt als Plastik
  • Plastikverpackungen hingegen bestehen of aus verschiedenen Schichten, die sich nur schwer trennen lassen. Anmerkung: Thermisches Recycling (mein liebster Greenwashing-Begriff) ist nicht in den 52,2 % enthalten.

Es gibt jedoch Fälle, in denen der Wechsel die Quote sogar verschlechtern kann oder ökologisch fragwürdig ist:

  • Verbundverpackungen: Viele Papierverpackungen für Lebensmittel (z. B. für Fleisch oder Suppen) brauchen eine Barriere gegen Fett und Feuchtigkeit. Wenn das Papier mit einer dünnen Plastikschicht beschichtet wird, entsteht ein „Verbund“. Ist der Plastikanteil zu hoch (oft über 5 % bis 10 %), kann das Papier im Werk nicht mehr gut aufgelöst werden. Es landet dann trotz „Papier-Optik“ im Restmüll oder stört den Recyclingprozess.
  • Das Gewichtsproblem: Papier ist bei gleicher Schutzwirkung oft schwerer als eine hauchdünne Plastikfolie. Da Recyclingquoten nach Gewicht berechnet werden, treibt der Wechsel auf das schwerere Papier die Statistik zwar nach oben, aber der CO2-Fußabdruck für den Transport kann steigen.
  • Ressourcenverbrauch in der Herstellung: Die Produktion von Frischfaser-Papier benötigt sehr viel Wasser und Energie. Wenn das Papier nach der Nutzung nicht mehrfach recycelt wird (die Faser hält ca. 7–25 Zyklen durch), kann die Ökobilanz schlechter ausfallen als bei einer sehr effizienten Plastikverpackung.

Und damit kommen wir zu den CO₂-Emissionen bzw. der generellen Umweltfreundlichkeit:

Papier spart fossile Rohstoffe, aber nicht automatisch Energie und CO2.

Papier hat ein besseres Image. Die Verpackung fühlt sich natürlicher an und wir fühlen uns gut.
Aber Papier braucht in der Herstellung häufig viel Wasser, Energie und Materialmasse. Vor allem Frischfaser-Papier ist ressourcenintensiver als viele denken. Und da haben wir die Umweltschäden durch die Plantagen auf beispielsweise Borneo oder Sumatra noch gar nicht berücksichtigt, wo hektarweise Regenwald gerodet wird, um Taschentücher, Klopapier und eben Verpackungsmaterial zu produzieren.

Wichtig ist der Unterschied zwischen Frischfaser-Papier und Recyclingpapier:
Laut Umweltbundesamt spart Recyclingpapier gegenüber Frischfaser-Papier im Durchschnitt:

  • 78 % Wasser
  • 68 % Energie
  • 15 % CO₂-Emissionen

Quelle: Factsheet zur UBA-Ökobilanz von Recyclingpapier

Plastik ist oft klimatisch effizienter, weil es leichter ist

Kunststoff hat einen großen Nachteil beim Rohstoff: fossil.
Aber er hat einen praktischen Vorteil: sehr wenig Material für viel Funktion.

Eine aktuelle Studie in Environmental Science & Technology kommt zu dem Ergebnis, dass in 15 von 16 untersuchten Anwendungen Kunststoff über den gesamten Lebenszyklus weniger Treibhausgase verursacht als die jeweilige Alternative. Hauptgründe:

  • geringeres Gewicht
  • weniger Materialeinsatz
  • oft bessere Schutzfunktion
  • weniger Verderb bei Lebensmitteln

Bei Lebensmitteln ist Produktschutz oft wichtiger als das Verpackungsmaterial

Das ist der entscheidende Punkt für einen Lebensmittelkonzern: Wenn eine Papierverpackung das Produkt schlechter schützt, kann es zu kürzerer Haltbarkeit, mehr Ausschuss und damit mehr Lebensmittelabfällen kommen. Gerade Lebensmittelabfälle sind klimaschädlicher als die Verpackung selbst.

Papier- vs. Plastikverpackung im direkten Vergleich:

AspektPapierverpackungKunststoffverpackung
RohstoffbasisHolzfasern / Altpapier, also erneuerbar bzw. recycelbarmeist Erdöl/Erdgas, also fossil
Recycling in Deutschlanddeutlich besser etabliertdeutlich schlechter
Gewichtoft schwerer für die gleiche Funktionmeist deutlich leichter
Wasserverbrauch in Herstellungtendenziell höher, vor allem bei Frischfaserpapiertendenziell niedriger als bei Papier
Energiebedarf Herstellungkann hoch sein; bei Recyclingpapier deutlich niedriger als bei Frischfaseroft materialeffizient, aber fossil basiert
CO2 pro kg Materialkann niedriger sein als bei PEoft höher pro kg Material
CO2 pro Verpackungsfunktionkann schlechter sein, wenn mehr Material nötig istoft besser, wenn wenig Material dieselbe Schutzfunktion erfüllt
Produktschutzbei Feuchtigkeit/Fett/Sauerstoff oft schwächer oder nur mit Beschichtungoft sehr gut
Ökologisches Risiko nach Entsorgungkein MikroplastikproblemRisiko von Littering/Mikroplastik

Papier verbessert meist die Recyclingquote und reduziert fossile Rohstoffe — aber beim Ressourcenverbrauch und bei CO₂ ist es nur dann klar besser, wenn es leicht, recyclingfähig, möglichst aus Altpapier und für das Produkt funktional ausreichend ist.

Für viele Lebensmittelverpackungen gilt: Papier klingt besser und ist leichter zu recyceln, aber klimapolitisch nicht automatisch besser als Plastik.

Papier ist eher sinnvoll, wenn …

  • die Verpackung trocken bleibt,
  • keine starke Sauerstoff-/Fett-/Feuchtigkeitsbarriere nötig ist,
  • ein hoher Anteil Recyclingfasern drin ist,
  • sie monomaterial bleibt und gut im Altpapier recycelt werden kann.

Plastik ist oft klimatisch sinnvoller, wenn …

  • sehr hohe Barriereeigenschaften nötig sind,
  • die Verpackung extrem leicht sein muss,
  • Haltbarkeit und Produktschutz entscheidend sind,
  • Lebensmittelverluste sonst steigen.

Entscheidungsmatrix: Papier vs. Plastik

Papier / KartonKunststoff (Plastik)
Recycling & Kreislauf++ SEHR GUT Hohe Akzeptanz, etablierte Prozesse, echtes stoffliches Recycling möglich.— SCHWACH Oft nur thermische Verwertung (Verbrennung) oder aufwendiges Downcycling.
Ressourcen & Klima (CO2)+/- GEMISCHT Erneuerbare Rohstoffe, aber oft schwerer und energieintensiver in der Herstellung.+ TENDENZIELL BESSER Durch extreme Leichtigkeit oft geringerer CO2-Fußabdruck pro Packungseinheit.
Produktsicherheit & Schutz– EINGESCHRÄNKT Schwach gegen Feuchtigkeit/Sauerstoff; braucht oft Barriereschichten (Verbund).++ SEHR GUT Hervorragende Barrierewirkung, verlängert Haltbarkeit, reduziert Food Waste.
End-of-Life (Umwelt)+ UNBEDENKLICH Biologisch abbaubar, kein relevantes Mikroplastik-Problem in der Natur.— KRITISCH Gefahr von Littering und Mikroplastik; Jahrhunderte langer Verbleib in der Umwelt.

Fazit: Was ist besser? Papier- oder Plastikverpackung?

Wie so oft gibt es auch hier keinen klaren Sieger und somit haben wir ein weiteres Beispiel dafür, dass man eben genauer hinschauen muss und sich nicht durch Reflexe oder vermeintlich „grüne“ Aussagen leiten lassen sollte.

  1. Die Quoten-Falle: Ein Wechsel von Plastik auf Papier-Verbund (Papier mit Plastikbeschichtung) kann die Recyclingquote sogar gefährden, wenn das Material in der Sortierung nicht als Papier erkannt wird oder die Fasern beim Recycling nicht gelöst werden können.
  2. Food Waste ist der größte CO₂-Hebel: Wenn der Wechsel auf Papier dazu führt, dass auch nur 2-3 % mehr Lebensmittel verderben (z. B. wegen schlechterer Barriere), ist der CO₂-Vorteil der Verpackung meist komplett dahin. Das Lebensmittel selbst hat fast immer einen viel höheren ökologischen Rucksack als seine Hülle.
  3. Das „Idealszenario“ für Papier: Ein echter ökologischer Gewinn durch Papier entsteht bei trockenen Lebensmitteln (Mehl, Zucker, Nudeln), bei denen man auf Beschichtungen verzichten kann und das Gewicht nicht massiv über dem von Plastik liegt.

Wir haben für unseren FutureScore auf FutureCheck.org kürzlich die Bewertungsmatrix angepasst und bewerten den Umstieg auf Papier nicht mehr positiv, sondern achten vor allem darauf wie recyclingfähig das Verpackungsmaterial ist.

Dennoch können wir Kunden auf unnötige Verpackungen verzichten. Niemand braucht etwa einzeln verpackte Kekse oder Schokoriegel.

Diesen Artikel haben wir mit Hilfe von KI recherchiert und erstellt. Alle Inhalte wurden geprüft und durch unsere Redaktion ergänzt.

Oliver Schrage

Oliver Schrage

Marketingexperte, hoffnungsloser Optimist, Nachhaltigkeitsenthusiast, Bikenerd, Outdoorverrückter. > mehr über mich.

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